IMZWISCHENRAUM
ROLLE
Eine Rolle beginnt oft, sobald jemand anderes da ist.
Ein Raum. Ein Blick. Eine Erwartung.
Reiz da.
Reaktion noch nicht.
Manchmal verändert sich etwas schon an der Schwelle.
Bevor du sprichst.
Bevor jemand etwas von dir will.
Du kommst in einen Raum —
und dein System erinnert sich:
So bin ich hier. So werde ich gesehen. So bleibe ich sicher.
Bei welchen Menschen verändert sich etwas, noch bevor du bewusst etwas entscheidest?
Nicht bewerten. Nur die Schwelle finden.
Eine Rolle sitzt oft zuerst im Körper.
Nicht nur im Kopf. Manchmal nur als Zug, der schon weiß, wie er wirken soll.
Manchmal merkt man die Rolle an der Stimme.
Sie wird ruhiger, obwohl innen etwas unruhig ist.
Sie wird freundlich, obwohl etwas in dir Nein sagt.
Die Stimme trägt dann nicht nur Worte.
Sie trägt Wirkung.
Eine Rolle wird schwer, wenn sie weiterläuft, obwohl du nicht mehr mitkommst.
Dann spielst du nicht falsch. Du spielst nur länger, als es gerade gut tut.
Hinter jeder Rolle gibt es einen Bereich, der nicht auftreten muss.
Keine Bühne. Kein Publikum. Kein Bild, das gehalten werden muss.
Was wäre da, wenn du diese Rolle nicht sofort bedienen müsstest?
Es muss nicht gezeigt werden.
Eine Rolle wird sichtbar, wenn du merkst, wann sie beginnt.
Nicht um sie abzulegen. Erst um zu sehen, an welcher Schwelle du in Form gehst.
Ein Raum verändert die Haltung, bevor du entscheidest.
Die Rolle sitzt schon im Körper.
Du klingst passend, obwohl innen etwas anderes da ist.
Hinter der Wirkung muss nichts auftreten.
Zwischen Auftreten und Verschwinden liegt ein Raum.
Dort musst du die Rolle nicht sofort ablegen.
Dort musst du auch nicht in ihr bleiben.
Da ist die Bühne. Da ist die Haltung.
Und da ist ein Bereich, der nicht für Wirkung gemacht ist.
Welche Rolle beginnt, sobald du einen bestimmten Raum betrittst?
Nicht weil sie falsch ist.
Vielleicht hat sie dich geschützt.
Nicht folgen. Noch nicht.