ANGST
Angst kommt oft nicht als Gedanke.
Sie kommt als Enge.
Als Suchblick.
Als Zukunft,
die plötzlich nur noch eine Richtung kennt.
Etwas in dir sucht einen Ausgang.
Angst macht den Raum kleiner.
Nicht immer sichtbar von außen.
Aber innen rückt alles zusammen.
Der Blick wird enger.
Geräusche werden schärfer.
Möglichkeiten verschwinden.
Was eben noch offen war,
wirkt plötzlich wie ein Gang
mit nur einem Ausgang.
Für einen Moment:
Wo wird der Raum enger,
wenn Angst auftaucht?
Hinter den Augen?
Im Brustkorb?
Im Bauch?
Im Hals?
In den Händen?
Nicht verändern. Nur die Enge finden.
Der Blick sucht zuerst Gefahr.
In einem Ton.
In einer Lücke.
In einer Nachricht.
In einem Gesicht.
In dem,
was noch nicht gesagt wurde.
Angst schaut nicht neutral.
Sie scannt.
Sie sortiert.
Sie sucht den Punkt,
an dem etwas kippen könnte.
Der Suchblick ist nicht dumm.
Er will dich schützen.
Aber manchmal sieht er nur noch Gefahr
und nicht mehr den ganzen Moment.
Angst wohnt oft im Noch-nicht.
Noch ist nichts passiert.
Noch ist nichts bewiesen.
Noch ist der Moment nicht zu Ende.
Und trotzdem baut der Körper schon eine Zukunft.
Was, wenn es schiefgeht.
Was, wenn ich verliere.
Was, wenn es wieder passiert.
Was, wenn ich nicht sicher bin.
Angst nimmt manchmal ein Stück Zukunft
und legt es über die Gegenwart.
Dann fühlt sich das,
was kommen könnte,
schon so an,
als wäre es jetzt.
Der Körper sucht einen Ausgang.
Manchmal nach vorne. Manchmal weg. Manchmal in Kontrolle. Manchmal in Erstarren. Manchmal in ein inneres Rechnen, bis alles wieder sicher wirkt.
Angst fragt nicht zuerst,
ob alles stimmt.
Sie fragt zuerst:
Wo ist Sicherheit?
Manchmal ist der erste Abstand ein echtes Detail.
Nicht als Trick.
Nicht als Methode.
Nicht um Angst wegzumachen.
Nur als kleiner Kontakt mit dem,
was gerade wirklich da ist.
Für einen Moment:
Gibt es etwas im Raum,
das nicht in der Angst liegt?
Eine Kante.
Ein Licht.
Ein Geräusch.
Der Boden.
Die Wand.
Die Luft.
Nicht festhalten.
Nur merken:
Die Angst ist da —
und der Raum auch.
Angst wird sichtbarer, wenn ihr Tunnel sichtbar wird.
Nicht bekämpfen. Nicht sofort glauben. Erst sehen, wodurch der Moment enger geworden ist.
Der Raum wird kleiner. Möglichkeiten verschwinden aus dem Blick.
Der Blick sucht Gefahr, Lücken, Zeichen und mögliche Kipppunkte.
Etwas, das noch nicht passiert ist, fühlt sich schon gegenwärtig an.
Der Körper sucht Sicherheit, bevor der Moment ganz geprüft ist.
Zwischen Alarm und Welt liegt eine kleine Stelle.
Dort muss Angst nicht verschwinden.
Dort muss sie nicht beschämt werden.
Dort muss sie nicht sofort bewiesen werden.
Dort wird nur unterscheidbar:
Da ist der Alarm.
Da ist die Zukunft,
die er zeigt.
Und da ist der Moment,
der vielleicht größer ist
als der Tunnel.
Welche Zukunft zeigt deine Angst gerade?
Nicht um ihr blind zu folgen.
Sondern um zu sehen,
welchen Ausgang sie sucht.
Vielleicht will sie schützen.
Vielleicht ist sie zu laut.
Vielleicht zeigt sie etwas Altes.
Vielleicht zeigt sie etwas Echtes.
Für diesen Moment reicht:
Da ist Angst.
Da ist der Tunnel.
Und da ist mehr als der Tunnel.