VERTRAUEN
Vertrauen ist kein Beweis,
dass alles gut wird.
Manchmal ist es nur der Moment,
in dem dein Gewicht nicht mehr ganz
in deinen Händen liegt.
Etwas unter dir trägt mit.
Vertrauen beginnt oft nicht oben im Kopf.
Es beginnt tiefer.
Dort, wo der Körper merkt,
dass er nicht alles gleichzeitig festhalten kann.
Ein Fuß auf dem Boden.
Eine Schulter,
die nicht mehr ganz so wach bleibt.
Ein Atemzug,
der nicht sofort prüfen muss,
ob alles sicher ist.
Für einen Moment:
Wo gibt es gerade Boden?
Unter den Füßen?
Im Sitz?
Im Rücken?
In einem Atemzug?
In einer Stelle,
die nicht sofort gegenhalten muss?
Nicht glauben müssen. Nur den Boden merken.
Vertrauen ist selten der große Sprung.
Eher ein kleiner Schritt.
Nicht blind.
Nicht naiv.
Nicht gegen dein Gefühl.
Nur eine Bewegung,
die nicht mehr vollständig
aus Absicherung entsteht.
Vertrauen verlagert Gewicht.
Nicht alles liegt dann noch im Griff.
Nicht alles in Planung.
Nicht alles in Kontrolle.
Nicht alles in der inneren Spannung,
die jeden Ausgang kennen will.
Ein Teil darf kurz woanders ruhen.
Nicht weil alles sicher ist.
Sondern weil nicht alles allein getragen werden muss.
Vielleicht ist Vertrauen nicht:
„Ich bin mir sicher.“
Vielleicht ist Vertrauen manchmal:
„Ich muss das Gewicht gerade nicht komplett alleine halten.“
Vertrauen lässt eine Stelle offen.
Nicht alles ist geklärt.
Nicht jeder Zweifel ist weg.
Nicht jede Angst wurde beantwortet.
Nicht jeder Ausgang ist sicher.
Und trotzdem muss diese offene Stelle
nicht sofort geschlossen werden.
Vertrauen wird spürbar, wenn Boden wichtiger wird als Beweis.
Nicht alles loslassen.
Nicht alles glauben.
Nicht alles schönreden.
Nur merken,
wo dein System nicht mehr jeden Zweifel
zur letzten Instanz machen muss.
Etwas trägt mit, ohne dass der Kopf es vollständig beweisen kann.
Eine Bewegung entsteht, ohne dass alles vorher abgeschlossen ist.
Nicht alles muss im Griff bleiben, damit du nicht fällst.
Eine Frage darf kurz offen bleiben, ohne sofort Gefahr zu werden.
Zwischen Festhalten und Fallen liegt Vertrauen.
Dort musst du nicht blind springen.
Dort musst du nicht alles kontrollieren.
Dort musst du nicht sofort wissen,
wie es ausgeht.
Dort wird nur unterscheidbar:
Da ist der Zweifel.
Da ist der Wunsch nach Sicherheit.
Da ist der Boden.
Und da ist ein kleiner Schritt,
der nicht aus Kampf entsteht.
Für einen Moment:
Gibt es eine Sache,
die gerade offen bleiben darf,
ohne dass dein ganzes System sie sofort schließen muss?
Vertrauen muss nicht groß sein. Ein kleiner tragender Punkt reicht.
Bin ich gehalten, auch wenn ich nicht alles halte?
Vielleicht musst du nicht blind springen.
Vielleicht musst du auch nicht alles festhalten,
bevor ein nächster Schritt möglich wird.
Manchmal beginnt Vertrauen nicht dort,
wo alle Zweifel verschwinden.
Sondern dort,
wo du nicht mehr jeden Zweifel
zum Beweis gegen den Boden machst.