DAS NICHTS
Manchmal kommt kein nächster Satz.
Kein Bild.
Keine Richtung.
Kein innerer Halt,
der sofort sagt,
was jetzt gemeint ist.
Und für einen Moment
ist da keine Form.
Das Nichts wird oft erst spürbar, wenn keine Form trägt.
Kein klares Gefühl.
Kein fertiger Gedanke.
Kein sicherer Name.
Keine Erklärung,
die sofort wieder Ordnung macht.
Es ist nicht unbedingt leer.
Es ist nur noch nicht gefasst.
Für einen Moment:
Wo entsteht Unruhe,
wenn etwas keinen Namen hat?
Im Kopf?
Im Bauch?
Im Brustkorb?
In der Hand,
die nach dem Handy greifen will?
In dem Impuls,
sofort Sinn daraus zu machen?
Nicht füllen. Nur merken, wo Form gesucht wird.
Oft ist nicht das Nichts eng, sondern der Griff danach.
Der Griff nach Bedeutung.
Der Griff nach Sicherheit.
Der Griff nach Rolle.
Der Griff nach einer Erklärung,
die alles wieder einordnet.
Das Offene selbst macht nicht immer Druck.
Druck entsteht oft,
wenn es sofort wieder etwas werden soll.
Der schnelle Griff nach Form macht es eng.
Nichts klingt schnell wie Verlust.
Als würde etwas fehlen.
Als wäre da eine Lücke,
die sofort geschlossen werden müsste.
Aber vielleicht ist nicht jedes Nichts ein Mangel.
Vielleicht ist manches Nichts nur ein Raum,
der noch nicht wieder besetzt wurde.
Es entsteht nicht sofort eine Erklärung, die alles zusammenhält.
Der Moment bekommt nicht direkt eine bekannte Form.
Für einen Augenblick hält nichts das Offene fest.
Etwas liegt vor dem Namen, vor der Richtung, vor dem nächsten Bild.
Das Nichts liegt vor dem nächsten Namen.
Bevor aus Gefühl eine Geschichte wird.
Bevor aus Stille ein Satz wird.
Bevor aus Offenheit wieder ein Plan wird.
Da ist ein kurzer Bereich,
in dem noch nichts feststeht.
Manchmal ist das Nichts nicht leer, sondern noch ungeboren.
Keine Form.
Aber Möglichkeit.
Kein Name.
Aber eine leise Verdichtung.
Nicht sichtbar genug,
um es zu erklären.
Nicht verschwunden genug,
um es zu leugnen.
Zwischen nichts und Form liegt eine sehr kleine Stelle.
Dort braucht nicht sofort ein Sinn zu entstehen.
Dort braucht kein neues Selbstbild aufzutauchen.
Dort braucht keine Antwort den Moment zu schließen.
Dort wird nur sichtbar:
Da ist Offenheit.
Da ist der Griff nach Halt.
Da ist ein Körper,
der kurz nicht weiß,
woran er sich festmachen soll.
Für einen Moment:
Was passiert im Körper,
wenn nichts sofort feststeht?
Wird es eng?
Leer?
Wach?
Unruhig?
Still?
Oder entsteht ein ganz kleiner Raum,
der noch keine Form braucht?
Das Nichts braucht keinen Namen, um spürbar zu sein.
Was bleibt, wenn gerade nichts aus dir werden muss?
Nicht als Antwort.
Nicht als Konzept.
Nicht als Wahrheit,
die sofort festgehalten werden kann.
Nur als kurzer Moment,
bevor wieder Form entsteht.
Vielleicht verschwindest du nicht,
wenn nichts feststeht.
Vielleicht fällt nur kurz weg,
was ständig festgehalten werden will.