IMZWISCHENRAUM
LOSLASSEN
Loslassen ist nicht immer fallen lassen.
Manchmal bleibt das, was du hältst, noch da. Nur der Griff merkt langsam, wie fest er geworden ist.
Reiz da.
Reaktion noch nicht.
Etwas kann lange halten, ohne dass du es noch merkst.
Einen Gedanken. Einen Menschen. Einen alten Satz. Eine Erwartung. Außen sieht man vielleicht nichts. Innen bleibt etwas geschlossen.
Wo fühlt sich etwas an wie ein geschlossener Griff?
Nicht öffnen. Nur den Griff finden.
Manchmal weißt du gar nicht mehr, was genau du hältst.
Nur dass es nicht weg darf. Und vielleicht auch die Angst: Wenn ich loslasse, verliere ich alles.
Der Griff wird oft stärker, wenn Verlust möglich wirkt.
Nicht weil du falsch bist. Sondern weil ein Teil in dir glaubt, dass Festhalten Sicherheit bedeutet.
Vielleicht hältst du nicht nur etwas fest. Vielleicht hältst du dich an etwas fest.
Irgendwann wird Halten müde.
Nicht plötzlich. Nicht dramatisch. Die Kraft ist noch da. Aber sie kostet.
Wo kostet Halten gerade Kraft? Und gibt es dort einen Millimeter, in dem nicht mehr gedrückt werden muss?
Ein Millimeter ist kein Aufgeben.
Vielleicht bedeutet Loslassen nicht, nichts mehr zu berühren.
Nicht werfen. Nicht schneiden. Nur: Der Griff wird weniger ganz. Das Gehaltene darf wieder Gegenstand sein. Nicht mehr dein ganzer Halt.
WeiterLoslassen wird sichtbar, wenn der Griff nicht mehr alles sein muss.
Etwas bleibt geschlossen, obwohl außen nichts festgehalten wird.
Berührung wird enger, sobald Verlust möglich wirkt.
Es wird merkt, wie viel Kraft ständiges Halten kostet.
Der Griff wird weicher, ohne dass alles verschwinden muss.
Zwischen Festhalten und Verlieren liegt eine andere Berührung.
Da ist, was gehalten wurde. Da ist der Griff, der müde geworden ist. Und da ist ein kleiner Raum, in dem Berührung nicht mehr Klammer sein muss.
WeiterWas hält der innere Griff gerade?
Nicht um es sofort zu lösen. Sondern um zu merken, wie sich Halten anfühlt.
Manchmal beginnt Loslassen, wenn der Griff nicht mehr ganz so allein halten muss.
Nicht folgen. Noch nicht.