IMZWISCHENRAUM
SCHWEIGEN
Schweigen ist nicht nur, dass niemand spricht.
Manchmal steht ein Satz zwischen zwei Menschen, obwohl kein Wort fällt.
Reiz da.
Reaktion noch nicht.
Schweigen beginnt oft am Mund.
Ein Satz kommt bis kurz vor die Lippen. Dann bleibt er stehen. Schweigen ist manchmal ein Satz, der noch keinen Weg nach außen findet.
Wo sitzt ein ungesagter Satz?
Nicht aussprechen müssen. Nur die Stelle finden.
Schweigen gehört selten nur einer Person.
Es steht zwischen Menschen. Als Schutz. Als Druck. Als Nähe, die noch keinen Satz findet.
Ein Satz bleibt zurück, obwohl etwas schon da ist.
Das Ungesagte bekommt einen Platz, bevor es Worte bekommt.
Zwischen Menschen ist etwas da, auch wenn niemand es benennt.
Schweigen macht etwas: es öffnet, schützt, hält oder trennt.
Nicht jedes Schweigen fühlt sich gleich an.
Darum reicht es nicht, nur zu merken, dass geschwiegen wird. Entscheidend ist: Was macht dieses Schweigen im Feld?
Ein ungesagter Satz verschwindet nicht immer.
Schweigen ist nicht leer. Es trägt oft das, was noch keinen sicheren Weg nach außen hat.
Gibt es einen Satz, der nicht gesagt wurde, aber trotzdem im Raum steht?
Das Ungesagte ist manchmal schon anwesend.
Schweigen muss nicht sofort gebrochen werden.
Nicht jeder Satz ist reif. Aber Schweigen muss auch nicht zum Versteck werden.
Zwischen Sprechen und Verschwinden liegt Schweigen.
Was ist noch zu früh? Was wird vermieden? Was braucht Schutz? Was steht längst zwischen uns?
WeiterWelcher Satz steht im Raum, obwohl ihn niemand sagt?
Manchmal beginnt etwas nicht damit, dass alles gesagt wird. Sondern damit, dass das Ungesagte nicht mehr vollständig im Dunkeln wirkt.
Nicht folgen. Noch nicht.