IMZWISCHENRAUM
DER ATEM
Bevor du etwas verstehst, atmet der Körper schon.
Luft kommt. Luft geht.
Reiz da.
Reaktion noch nicht.
Der Atem fragt nicht, ob du bereit bist.
Er ist schon da, während der Kopf noch sucht. Manchmal ist das der erste einfache Kontakt: nicht mit einer Antwort, sondern mit Luft.
Vielleicht merkst du ihn nicht als großen Atemzug. Vielleicht nur als kleine Bewegung, irgendwo.
Oft wird der Atem nicht vergessen. Er wird überdeckt.
Von Tempo. Von Druck. Von dem Versuch, etwas zusammenzuhalten. Der Körper atmet weiter. Aber die Aufmerksamkeit ist woanders.
Beim Ausatmen muss nichts gelöst sein.
Es kann trotzdem etwas nachgeben. Nicht weil du etwas richtig gemacht hast. Sondern weil Raum entsteht, sobald etwas nicht mehr übergangen wird.
Nicht tiefer. Nicht schöner. Nicht länger. Nur merken, wo der Atem von selbst hingeht.
Der Atem ist keine Leistung.
Er will dich nicht verbessern. Nicht ruhiger darstellen, als du gerade bist. Er ist die einfache Bewegung, die weitergeht, auch wenn du dich selbst kurz verloren hast.
WeiterDer Atem bringt dich nicht weg. Er zeigt, dass du schon da bist.
Etwas kommt und geht, ohne dass du es beweisen musst.
Eine Bewegung, die nicht auf dich wartet.
Manchmal wird sichtbar, wie lange etwas mitgetragen hat.
Ein kleiner Teil muss nicht mehr ganz so fest bleiben.
Du musst den Atem nicht machen.
Luft kommt. Luft geht. Etwas in dir ist noch hier.
Manchmal beginnt Raum nicht, weil etwas verstanden wurde. Sondern weil etwas für einen Moment nicht mehr übergangen wird.
WeiterWo hat etwas weitergetragen, während du woanders warst?
Der Atem war nicht weg. Er war nur nicht im Vordergrund.
Vielleicht reicht es, ihn nicht zu benutzen. Sondern ihm kurz zu begegnen.
Nicht folgen. Noch nicht.